Politästhet zwischen den Welten

Joschua Gumpert

Wie wollen wir leben? Wie uns verhalten angesichts Tierleid, Verschmutzung der Ozeane, Verlust der Biodiversität, Ressourcenabbau, Klimawandel? Der Hamburger Künstler Joschua Gumpert (* 21.01.1996) verhandelt nicht nur die großen zivilisatorischen Themen der Zeit, er drängt auch auf Lösungen. Sein Werk ist Anklage und Verheißung zugleich.

Mit 16 Jahren malt er Porträts. Gandhi, Ai Weiwei oder Dave Grohl von den „Foo Fighters“. Letzterer wird es ihm on stage signieren. Ein Schlüsselmoment: Wo Aufmerksamkeit ist, lässt sich dieselbe auch umleiten, etwa auf gesellschaftspolitische Missstände. Mit 20 Jahren initiiert er seine erste Einzelausstellung. Ein Suchender, dessen Talent und Beharrlichkeit bereits das Interesse von Kunstsammlern wecken. Er nimmt die Schriften des Dalai Lama in sich auf; akustisch im Studio, während er malt. Ganz Autodidakt. Mit 25 Jahren macht Gumpert im Rahmen einer großen Werkschau von sich reden.

InHuman – Our Decision

Die Ausstellung ‚InHuman – Our Decision‘ (2021) in der Hamburger Barlach Halle changiert zwischen Utopie und Dystopie, ist ebenso wissenschaftsgetrieben wie ästhetisch opulent, teils daliesk anmutend. 40 Gemälde, Acryl auf Leinwand, freischwebend und paarweise arrangiert. Miteinander korrespondierende Motive, Rücken an Rücken, laden zu einem Perspektivwechsel ein. Joschua Gumperts „Statement-Art“ eröffnet Story-Sequenzen, die sich auf eine Frage hinbewegen, sie betrifft uns alle: Wie gestalten wir unsere Zukunft? – Hier präsentiert sich ein Künstler, der Haltung bezieht und zum Handeln auffordert: „Jetzt und sofort. Ohne Wenn und Aber.“

A Multimedia Experience

Mit seiner in Produktion befindlichen Videoinstallation ‚InHuman – Our Decision | A Multimedia Experience‘ überführt der Mittzwanziger zehn seiner Hauptwerke ins Dreidimensionale. Gesteigert zu einem multimedialen Erlebnis. Realisiert im Team, als interdisziplinär agierendes junges Künstlerkollektiv. „Seit vier Jahren träume ich davon, diese Geschichte zu erzählen – auf nie dagewesene Art und Weise. Dabei Musik und Sounddesign, 3D Animation und Malerei zu verschmelzen.“ (Joschua Gumpert)

Vorzeigekünstler der FFF-Bewegung?

Joschua Gumpert wiederbelebt die traditionelle Ausdrucksform der Malerei mit dem revolutionären Geist seiner Generation. Damit ist der mitunter als Speaker auftretende Mitbegründer der Organisation „One Planet“ für manche folgerichtig „auf dem Weg, so etwas wie ein Vorzeigekünstler der Fridays-for-Future-Bewegung zu werden“ (WELT). Doch ein Protestkünstler will er nicht sein. Die Ästhetisierung des Politischen oder – je nach Blickwinkel – die Politisierung der Ästhetik mündet im Diskurs; hoffnungsvoll.